1. Einleitung

Die Anregung mich für die Standortbedingungen und die Vegetation der Mogoten in der Sierra de los Organos in Westkuba zu interessieren erhielt ich durch den Geographen Prof. Dr. Ottfried Baume. Ich beteiligte mich an einer geographischen Studentenexkursion nach Kuba. Das Ziel dieser Exkursion war innerhalb von zwei Wochen einen ersten Eindruck der geographisch sehr vielgestaltigen Insel zu bekommen und dafür Kuba von West nach Ost zu durchreisen. Ein Schwerpunkt sollte der tropische Karst sein. Die mir gestellte Aufgabe war ein Referat über die Vegetation auf tropischen Karst auszuarbeiten. Dabei zeigte sich wie wenig Literatur bisher zu diesem Thema veröffentlicht wurde. Mein Referat hielt ich an Ort und Stelle am Fuß eines Mogoten, das ist die kubanische Bezeichnung für Kegelkarstberge, vor der Touristenattraktion Cueva del Indios. Hierbei handelt es sich um eine Höhle, die mit einem Boot auf einem Fluß durchfahrbar ist. Die beeindruckende Landschaft und die üppige Vegetation begeisterten mich sofort.

Einen großen Teil der Exkursion begleitete und betreute uns der kubanische Geograph Dr. Manuel Bollo Manent. Er bot an behilflich zu sein, wenn ich anläßlich meiner Diplomarbeit Feldarbeiten in Kuba durchführen wollte. Mit diesem Angebot bat ich Prof. Dr. Jürke Grau über die Vegetation der Mogoten eine Arbeit schreiben zu dürfen. Ich entschloß mich zu einem dreimonatigen Aufenthalt in Kuba zwischen dem 15. Januar und dem 15. April 1998.

Viele deutsche Wissenschaftler beteiligten sich an der Erarbeitung der Grundla-gen der Zoologie, Botanik, Paläontologie, Geologie und Geomorphologie Kubas. Seit Alexander von Humboldt war das Viñales-Tal immer wieder Ziel von Forschern aus aller Welt. Aber trotz dieser langen Tradition der internationalen und nationalen Forschung werden wesentliche Aspekte zur Geographie und Geologie meines Untersuchungsgebietes heute noch kontrovers diskutiert.

Die Vegetation auf den unterschiedlichen Ausbildungen des tropischen Karstes kennenzulernen, eine pflanzensoziologische Erfassung der verschiedenen Stand-orttypen durchzuführen und eine möglichst umfangreiche Herbarsammlung mit nach München zu bringen sollten ursprünglich die Ziele des Forschungsaufent-haltes in Kuba sein.

Die Unterstützung von Dr. Bollo Manent war während meines ganzen Aufenthal-tes in Kuba oft erforderlich. Die Höchstaufenthaltsdauer für Touristen beträgt seit dem 1.1.1998 nur noch 10 Wochen. Für Visum, das drei Monate Gültigkeit haben sollte, war es erforderlich an einer kubanischen Universität eingeschrieben zu sein. Die Studiengebühr betrug 420 $. Dafür sollte aber während der Feldar-beit ein kubanischer Vegetationsgeograph als Betreuer behilflich sein. 

Die zuständige Behörde hatte ein neues Gesetz zur Erhaltung der Biodiversität, gültig ab 1.1.1998, übersehen. Jede wissenschaftliche Feldarbeit muß von der Naturschutzbehörde CITMA genehmigt werden und Ausländer brauchen zusätzlich die Unterschrift der Umweltministerin. Es dauerte sieben Wochen bis alle bürokratischen Hürden genommen waren. 

Die Sondergenehmigung galt für genau vier Wochen und auch nur für exakt festgelegte kleine Gebiete im Municipio Viñales. Ohne fachlich geeignete Begleitung war das Betreten des Geländes untersagt. Für Ausländer ist der Aufenthalt im Bergland generell verboten.

In Viñales erwartete mich der mir zugeteilte, wissenschaftliche Betreuer, Martin Luis-López. Er stellte mir meinen Bergführer, Juan Gallardo-Valdez, kurz „Juanito“, vor und fuhr am nächsten Tag nach Havanna. 

Der Vertreter der Einwohnermeldebehörde in Viñales fand nach drei Tagen Feldarbeit Unstimmigkeiten zwischen den Genehmigungen und meiner Tätigkeit in den Bergen. Erst nach langen Verhandlungen mit der Hilfe von Martin Luis-López, der für kurze Zeit in Viñales war, dem örtlichen Vertreter der CITMA, Mario Dominguez-González und dem Vertreter des Militärs für die Provinz Pinar del Rio, Capitan Carlos Sierra-Labbarena, war ein Weiterarbeiten nach drei Tagen Ausfall wieder möglich. An jedem Tag der verbleibenden drei Wochen an denen „Juanito“ Zeit hatte - er mußte nebenbei seiner regulären Arbeit nachgehen - waren wir auf den Mogoten unterwegs. Capitan Carlos Sierra-Labbarena sollte von nun ab an Tagen als ortskundiger Führer dienen, an denen „Juanito“ arbeiten mußte. Nur zweimal ersetzte der Capitan „Juanito“, danach war er leider krank. 

Als Folge der zahlreichen Probleme standen nur elfeinhalb Tage für die Arbeit im Feld zur Verfügung. Aus diesem Grund verlegte sich der Schwerpunkt meiner Diplomarbeit von Feldstudien zu einer intensiven Literaturauswertung. Diese Recherche bietet ein wissenschaftliches Fundament für weitere Untersuchungen vor Ort.