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3.2.1.
Geomorphologie des tropischen Karstes
Voraussetzung
für Karst ist wasserlösliches Gestein. Kalk ist für diese
chemische Verwitterung besonders geeignet. Der prozentuelle Anteil von
Kalkgestein in der Erdkruste ist zwar gering, aber der Anteil von Kalk
als anstehendes Gestein an der Erdoberfläche ist mit ca. 20% relativ
hoch. Dieses Sedimentgestein bedeckt ca. 30 Mio. km² des Festlandes.
Der
geomorphologische Begriff der Verkarstung bedeutet: Veränderungen,
in Abhängigkeit der Zeit, die durch Wasser auf der Oberfläche
oder beim Durchfließen von löslichen Gestein verursacht werden.
(Hier ist nicht jener Begriff der Verkarstung gemeint, unter dem eine Degradierung
der Vegetationsdecke und anschließende Bodenerosion bis hin zur Freilegung
des anstehenden Gesteines verstanden wird.)
Karst
ist ein fast weltweites Phänomen, das seine klimatische Kältegrenze
mit der Grenze zum Permafrost gemeinsam hat (polwärtige- und Höhengrenze);
die Trockengrenze wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich bewertet.
Entsprechend
dem Lösungsgleichgewicht: Kalkgestein
+ Wasser + gelöstes Kohlendioxid = gelöster Kalk
wird
Kalk in Abhängigkeit der Temperatur gelöst oder abgeschieden.
Eine hohe Kalklösung findet bei hohen Wasserangebot (hohe Niederschläge),
hohen Werten an gelöstem Kohlendioxid, hohem Reinheitsgrad des Kalkgesteins,
und hoher Klüftigkeit des Gesteins statt. Der Anteil an gelöstem
Kohlendioxid erhöht sich mit sinkenden Temperaturen und durch die
Lebensvorgänge von Organismen, z.B. Atmung von Bodenfauna und Wurzelatmung. Der
Kegelkarst ist an warme, feucht-wechselfeuchte Klimate (über 9 humide
Monate im Jahr) und reine, dickbankige Kalke gebunden (Pfeffer
1969a).
Für
den Karst in gemäßigten und subtropischen Bereichen sind Hohlformen
charakteristisch, dagegen sind für den tropischen Karst Vollformen
typisch. Panoš & Štelcl
(1968) beschreiben eine große Anzahl verschiedener Karsttypen auf
Kuba.
Abbildung3
aus Panoš & Štelcl
(1968): Karte der Verteilung der Karsttypenin
Westkuba.
Von
dieser Vielzahl der Typen kommen im „Orgelgebirge“ nach Angaben von Martin Luiz-López
(pers. Mitt.) drei Typen vor: Isolated
highstack hills = Mogotes s.str. = isolierte Kegelkarstberge Ranges
= Sierras
= Ketten aus Kegelkarstbergen Cockpit-karst-areas
= Low Mogotes = Kuppenkarstflächen.
Die
Entstehung dieser Formen beginnt mit der tektonischen Hebung des Geländes
über den Vorfluter bzw. den allgemeinen Wasserspiegel des Gebietes.
An tektonischen Klüften oder Schichtfugen bilden sich Schlucklöcher,
durch die das Wasser in den Untergrund verschwindet. Diese Röhren
erweitern sich zu Cockpits, diese Hohlformen sind sternförmig bis
rund, ihre Tiefe ist meistens größer als ihr Durchmesser. Die
Korrosion verläuft schnell bis zur Höhe des Vorfluters, der Karstwasserfläche
oder nicht lösungsfähigen Gesteins. Von da an erweitert sich
die Bodenfläche der Cockpits durch seitliche Lösungsunterschneidung.
Die Kalkfläche zwischen den Cockpits wird zu Kuppen umgestaltet (Kuppenkarst).
Benachbarte Cockpits wachsen zusammen und die Kuppen werden zu Kegeln umgewandelt
(Kegelkarst der Sierren).
Abbildung
4 aus Lehmann (1955):
Schnitt durch einen Kegelkarstberg:
Die
Karstvollformen und die Kalkflächen sind von verzweigten Höhlensystemen
durchzogen. Dort fließt periodisch oder perennierend Wasser, oder
die Systeme gehören zu einem fossilen Höhlenniveau, falls der
heutige Karstwasserspiegel oder der Vorfluter tiefer liegt. In der Sierra
de los Organos gibt es mindestens fünf solcher Höhlenniveaus
von denen einige Wissenschaftler annehmen, daß man sie den verschiedenen
Pluvialzeiten zuordnen kann. Die Oberflächengewässer der Talflächen
verschwinden durch Ponore in den Vollformen.
Von
der Oberfläche der Vollformen führen Karstschlote (Jamas) ±
senkrecht zu den Höhlensystemen. Es kommt oft vor, daß Höhlendecken
einbrechen, dadurch entstehen Einsturzdolinen, die auf Kuba „hoyos“ genannt
werden. An tektonischen Klüften liegen solche Hoyos kettenartig aufgereiht.
Manchmal verschmelzen sie durch seitliche Korrosion zu einer Karstgasse.
Die Dolinen vergrößern ihren Durchmesser im Laufe der Zeit durch
Korrosionsunterschneidung. Die Böden der Hoyos sind oft sehr fruchtbar.
Die Grundflächen der Dolinen liegen immer auf dem Niveau des Vorfluters. Ebenfalls
auf dem gleichen Niveau liegen die Böden der Poljen (interior valley).
Manche von ihnen werden von Bächen durchflossen, wodurch allochthone
Sedimente dorthin gelangen. Die Poljen der Sierra de los Organos haben
Durchmesser bis zu mehreren hundert Metern. Beispiel dafür ist das
Tal von (Baños) San Vicente [22°39’30’’N / 83°43’00’’W],
das die Sierra de Viñales und die Sierra Guasasa voneinander trennt. Die
Kegelkarstberge, die Poljen, die Dolinen und die Karstgassen haben fast
senkrechte Wände. Als Ursache dafür ist Lösungsunterschneidung
anzusehen. Das Substrat der Talflächen ist relativ wasserundurchlässig,
die Flächen sind in Richtung Kalkwände leicht geneigt. Dadurch
ist im Randbereich der Boden lange Zeit des Jahres sehr feucht, manchmal
befinden sich dort sogar Feuchtflächen oder schmale stehende Gewässer.
Durch die Lebensvorgänge der Organismen oder Zersetzungsprozesse entstehen
Kohlensäure und organische Säuren, die den Kalk im Fußbereich
angreifen. Nach eigenen Beobachtungen ist der Fußbereich der Felswände
immer feucht. Durch Lösung bilden sich Hohlkehlen, Fußhöhlen
s. l.. Nach einer gewissen Zeit ist die Hohlkehle so weit in den Fels hinein
gefressen, daß der darüberliegende Fels aus der Wand bricht.
Die herabgefallenen Felsbrocken werden sehr schnell verwittert. Auf
den Mogoten gibt es außer den Hoyos weitere kleinflächige ebene
Bereiche. In Mulden (Lehmann
nennt sie Karrenwannen) sammelt sich Substrat an. Die Mulden vergrößern
sich seitlich und in die Tiefe durch die biogen bedingte Lösung.
Abbildung5
aus Lehmann (1954):
Karrenwannen, die von messerscharfen Karrengraten abgegrenztwerden.
Darüber
hinaus gibt es auf den Kegelkarstbergen noch viele weitere Kleinformen,
die durch örtlich begrenzte Lösung entstehen: - Bäume
schicken ihre Wurzeln durch feine Klüfte im Fels in Richtung Wasser,
durch Wurzelatmung wird das Gestein zersetzt und es bleiben nach dem Absterben
der Wurzeln bis zu armdicke Löcher zurück (root lapies). Durch
Dickenwachstum der Wurzeln können Felsteile abgesprengt werden. - Die
Felsen sind völlig mit Karren überzogen. Das sind durch Oberflächenwasser
entstandene Rinnen oder Rillen auf dem Kalkgestein. Die Kanten der Karren
können messerscharf sein. Wenn man auf diese scharfen Kanten tritt
entsteht ein metallischer Klang beim Abbrechen feiner Splitter. Durch
Ausfällung bedingt sind folgende Erscheinungen:
- An
Überhängen bilden sich Außenstalaktiten durch Kalkabscheidung.
- Nach Panoš
& Štelcl (1968) sind die nicht mit Substrat bedeckten Oberflächen
der Karstvollformen auf Kuba mit einer Verwitterungskruste bedeckt, die
den Fels vor schneller Lösung schützt (dies wird von verschiedenen
Autoren kontrovers diskutiert).
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