3.4. Schlußbetrachtungen

3.4.1. Anthropogene Beeinträchtigung und Naturschutz

Im Mai 1998 trat das Gesetz zur Schaffung des Parque Nacional de Viñales in Kraft. Damit entstand der siebte kubanische Nationalpark. Außerdem existieren vier UNESCO Biosphärenreservate auf Kuba. Nach Jenkins & Harcourt (1996) werden damit 134 km² neu unter Schutz gestellt. 

Der Nationalpark beinhaltet alle Natur- und Kulturflächen. Die gesamten Talflächen (bei durchschnittlich 120 NN), einschließlich der Poljen, werden landwirtschaftlich genutzt. Als Vorteil in ökologischer Hinsicht kann angesehen werden, daß die Felder nicht mit schweren Maschinen bearbeitet werden, sondern mit Ochsengespannen. Dadurch schont man die ertragreichen Böden. Der Tourismus soll intensiviert werden. Zielgruppe sind naturbegeisterte Individualreisende, die auch an einer ursprünglichen bäuerlichen Landschaft interessiert sind.

Nach allgemeiner Ansicht sind alle Bereiche der Mogoten s.l. in diesem Gebiet unberührte Natur. Wie oben bereits beschrieben nutzt die Bevölkerung kleine Areale auf den Kegelkarstbergen zur Holzgewinnung und/oder zum Feldbau. Es sind nur zwei geomorphologische Strukturen zur Nutzung geeignet. Das sind Einsturzdolinen und Karrenwannen. Die darauf stockende natürliche Vegetation wurde mehr oder weniger stark degradiert. Seit der Erklärung der „periodo especial“ im Jahr 1990, die durch den Zusammenbruch des Ostblockes und die Embargo-Politik der USA erzwungen wird, werden die nutzbaren Bereiche auf den Mogoten stärker zerstört. Die kleinen Areale, der noch vorhandenen Primärwälder des speziellen Typus der Hoyos und Karrenwannen, sind aktuell hochgradig gefährdet. 



3.4.2. Ausblicke für zukünftige Forschung

Die Schaffung des neuen Nationalparks und die Beeinträchtigung der Natur durch den Menschen erfordert eine Bestandsaufnahme, z.B. um hochgradig gefährdete Biotope gezielt schützen zu können. Aus wirtschaftlichen Gründen ist Feldarbeit in diesem Gebiet von kubanischer Seite alleine kaum möglich. Ausländische Beteiligung an einem Projekt zur Erfassung des Ist-Zustandes des Naturraumes werden sicher begrüßt. Viele unterschiedliche Aspekte wurden noch nicht genügend erforscht. Eine Kartierung der Vegetationsgesellschaften des Naturschutzgebietes ist Voraussetzung für Planungen, z.B. welche Gebiete für Einheimische und Touristen zugänglich bleiben können und welche Bereiche davon ausgeschlossen werden sollen. Möglichst viele exakte pflanzensoziologische Bestandsaufnahmen ermöglichen, daß positive und negative Veränderungen der Vegetation erkennbar werden. Dies ist die Voraussetzung um negativen Entwicklungen gegebenenfalls entgegenwirken zu können. Bestandskartierungen wurden in diesem Naturschutzgebiet bisher nur sehr sporadisch durchgeführt. Pflanzensoziologische Untersuchungen sind auf Grund der hohen Diversität der Vegetation der Mogoten besonders interessant. 

Degradierte Bereiche sollen renaturiert werden. Auch dazu sind Kenntnisse über ungestörte Biotope notwendig. Für die vielfältigen Probleme in diesem Zusammenhang soll nur ein Beispiel genannt werden: Um Jungpflanzen für eine Wiederaufforstung zu kultivieren, müßte Saatgut an wenig gestörten Standorten gesammelt werden. 

Literatur über Bodenuntersuchungen auf den kubanischen Mogoten wurden noch nicht veröffentlicht. Es gibt keine Untersuchungen über das kleinräumig sehr unterschiedliche Klima. Beide Faktoren sind Voraussetzung für weitere ökologische Forschungen. Auch die Tierwelt bedarf einer kritischen Bestandsaufnahme. Über den aktuellen Zustand der Populationen der tierischen Organismen, und hier sind wieder besonders die Endemiten interessant, ist wenig bekannt.

Der hohe organisatorische Aufwand in Kuba Feldarbeit durchzuführen, sollte kein Hindernis für die Arbeit in einem so hochdiversen Gebiet darstellen. Bei den Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität müssen artenreiche und akutgefährdete Gebiete an erster Stelle stehen. Der Schutz der gefährdeten Biotope der westkubanischen Mogoten erfordert ein schnelles Handeln.