3.3.6. Diskussion der Standorttypen der Mogoten von Pinar del Rio

Ein Teil der unter 3.3.4. und 3.3.5. beschriebenen Standorttypen besiedeln nicht Mogoten s.str.. Die Spalten 3 und 4 der Tabelle 137 in Borhidi (1996) sind Aufsammlungen der sanft geneigten Hügel, der „low mogotes“. Es handelt sich um die Standorte von Microcycas calocoma. Bei Spalte 4 handelt es sich wahrscheinlich um denselben Standort, der von mir besucht und unter 3.3.4. beschrieben wurde, da es nur noch sehr wenige Bestände von Microcycas gibt und auch andere Arten identisch sind. Diese Low Mogotes bestehen aus deutlich gebankten Kalkstein, der noch keine so starken Verkarstungserscheinungen aufweist wie die Bereiche des Kegelkarstes. Bereiche mit humosen Boden wechseln mit flachen blanken Felsen. Dazwischen gibt es immer wieder die tiefen Löcher der Cockpits. Hier wächst ein lichter Primärwald. Da Licht bis zum Boden gelangt gedeiht auch eine Krautschicht. Es handelt sich nicht um eine überall geschlossene Bodenbedeckung, sondern besonders Trichterbromelien (Aechmea nudicaulis und Hohenbergia penduliflora) bilden terrestrisch große Horste. Andere Bereiche sind nur von Spreu bedeckt oder bestehen aus blankem Fels. Insgesamt weicht die Artzusammensetzung der Gehölze von der, der Mogotenvegetation s.str. signifikant ab.


 

Der zweite stark abweichende Vegetationstyp ist der halbimmergrüne mesophylle Wald der Hänge im Fußbereich der Sierren. Der geologische Untergrund ist die Jagua-Formation, die nicht so starke Verkarstungserscheinungen aufweist wie die reinen Kalke der Viñales-Formation. Durch die Verwitterungsreste, des mit vielen nicht kalkigen Substanzen versehenen Gesteins, kann sich trotz der Hangneigung von durchschnittlich 45° ein guter Boden ausbilden. Darauf stockt ein sehr dichter artenreicher Wald. Bei Spalte 5 (eventuell auch Spalte 1 und 2) der Tabelle 137 in Borhidi (1996) und dem ersten Vegetationstyp von Bisse et al. (1984) handelt es sich wohl um Aufsammlungen aus den Hängen der Jagua-Formation. Als Sonderstandort anzusehen ist die Schuttvegetation zwischen der Waldformation auf dem Jagua-Untergrund und den Felswänden der Viñales-Formation. Im Schuttbereich sind die Lebensbedingungen für die meisten Gehölze zu schwierig und dadurch konnte sich der beschriebene Reinbestand von Hohenbergia penduliflora bilden. Die Auflistung von Mammillaria prolifera in der Spalte 5 der Tabelle 137 in Borhidi (1996) ist wahrscheinlich durch einen ähnlichen Standort zu erklären, denn in dem dichten Wald kann diese Art wahrscheinlich nicht existieren.


 

Die Vegetation der Mogoten s.str. und der Kalksierren weicht von den zuletzt beschriebenen Vegetationstypen stark ab. Die intensiv verkarsteten kegelförmige Berge des Viñales-Kalkes beherbergen ein Mosaik aus verschiedenen Vegetationstypen. Das Vorkommen der einzelnen Pflanzengesellschaften des Mogoten-Komplexes wird durch die Inklination, die Insolation und das Substrat bestimmt. 


 

·Hohlformen im Karst

(a) Die Vegetation der Poljen (interior valley) wurde durch Felder ersetzt, nach dem Klima zu urteilen handelte es sich um immergrüne Saisonwälder, unter kleinräumigen feuchteren Bedingungen um Saison-Regenwald.

(b) Bei den Dolinen handelt es sich in mehrfacher Hinsicht um Gunsträume. Sie weisen einen guten Boden auf; wobei Boden- und Luftfeuchtigkeit höher sind. Deshalb zerstörte man auch ihre natürliche Vegetation, falls eine ackerbauliche Nutzung möglich war. Dafür wurden Pfade angelegt um sogar völlig unzugänglich erscheinende Plätze zu erreichen. Nur zwei wenig beeinträchtigte Dolinen konnten gefunden werden. Diese Hoyos besitzen eine sehr artenreiche Vegetation (siehe 3.3.4.). Liegen die Dolinen innerhalb von Karstgassen, werden sie mit zusätzlicher Feuchtigkeit durch tief hinabreichende Wolken versorgt, die lange Zeit in den Karstgassen „hängen bleiben“.

(c) In Karrenwannen ist ebenfalls guter Boden (Rendzina) vorhanden. Auf diesen kleinen ebenen Flächen in der Nähe der Gipfelbereiche der Mogoten existiert teilweise noch ein dichter Wald. Holzeinschlag läßt einen Sekundärwald entstehen, mit Thrinax morrisii als dominante Pflanze.


 

·Felswände

Die fast senkrechten Felswände der Kegelkarstberge beherbergen unterschiedliche Pflanzengemeinschaften, je nachdem ob der Bereich in der Sonne oder im Schatten liegt. 
 

(d) Die extremsten Mogotenstandorte sind die voll besonnten, senkrechten, blanken Felsen. Hier überleben nur xerophytische Arten. Regenwasser ist nur äußerst kurz nutzbar. Die starke Insolation führt zu intensiver Aufheizung und hohen Verdunstungsraten. Hier leben die Charakterpflanzen der Mogoten: die laubwerfende Bombacopsis cubensis mit ihrem grünem, tonnenförmigen Stamm, die Palme Gaussia princeps mit ebenfalls tonnenförmigen Stamm, Agave tubulata, Selenicereus grandiflorus, Rhipsalis baccifer, Catopsis berteroniana, Tillandsia capitata var. capitata und T. fasciculata (Felstyp).
 

(e) Der Grund für schattige Standortverhältnisse sind u.a. Nordlage, überhängende Felsen, Höhleneingänge, Felsspalten, enge Schluchten, kleine Hoyos und die Fußbereiche der Felswände. In den schattigen Bereichen der blanken Felsen gedeihen jeweils mehrere Arten von: Farnen, Philodendren, Pileas, Selaginellas und Moosen. Nur im Fußbereich der Mogoten wachsen die Gesneriaceen Gesneria celsioides und Rhytidophyllum rupincola
 

Darüber hinaus sind die Felsen bewohnt von Blaualgen, Grünalgen und Flechten.


 

·Gipfelbereiche

(f) und (g) Der Standorttyp der blanken Felsen und Spalten der Gipfelbereiche wird am besten in Bisse et al. (1984) beschrieben. Im groben gesehen handelt es sich bei dem Gipfelbereich eines Kegelkarstberges um eine Kuppe. Diese ist aber durch Erosion stark zerschnitten und alle Felsen weisen Karren, Löcher und Spalten auf. Extrem sonnige völlig blanke Felsen wechseln mit beschatteten Bereichen ab. Im Grunde genommen handelt es sich um ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume in kleinem Maßstab. Spalten und Ritzen enthalten kleine Mengen an Substrat. Kleine und große Hohlformen stellen relative Gunsträume dar, da sich hier etwas mehr Substrat ansammelt. Die Charakterpflanzen sind hier Ceratopyxis verbenacea, Spathelia brittonii, Gaussia princeps, Thrinax morrisii, Bombacopsis cubensis, Bursera shaferii und Ekmanianthe actinophylla. Alle diese Gehölze sind darauf angewiesen die Ritzen, Spalten und Löcher zum Verankern zu nutzen. Viele Exemplare schicken ihre Wurzeln durch Klüfte und Löcher im Gestein viele Meter in die Tiefe, manche Wurzeln erreichen so den unterirdischen Wasserspiegel. Oft überziehen dicke Wurzeln den Fels. Die Gehölze dienen Epiphyten und Lianen als Lebensraum. Den blanken sonnigen Fels besiedeln außer Agave tubulata, Selenicereus grandiflorus oder anderen Kakteen-Arten mit gleichem Habitus, fast nur Bromelien: Catopsis berteroniana, Tillandsia fasciculata (Felstyp), T. capitata var. capitata und Vriesea dissitiflora.


 

·Steile Hänge

(h) An allen Hängen der Viñales-Formation, die nicht zu steil sind um mit Substrat bedeckt zu sein, ist eine Waldgesellschaft ausgebildet. Der Boden (Rendzina) hat Humusanteile und ist mit Spreu bedeckt. Die Baumschicht mit ca. 50% Deckungsgrad hat eine Höhe von 4 - 8 m. Sie setzt sich zusammen aus: Casasia calophylla, Savia sessiliflora, Thouinia canescens, Eugenia galeata, Cordia gerascanthus, Adelia ricinella, Ateramnus lucidus, Plumeria emarginata und Citharexylum fruticosum. Es existiert eine dichte Strauchsicht mit ca. 50% Deckungsgrad. Hier finden sich die Arten: Picramnia reticulata, P. pentandra, Portlandia daphnioides, Rondeletia odorata, Ekmanianthe actinophylla, Lantana spec. und Jatropha integerrima. An Lianen sind anzutreffen: Passiflora suberosa, Clematis dioica, Platygyne hexandra und Philodendron-Arten. Viele Epiphyten besiedeln die Gehölze: Tillandsia flexuosa, T. recurvata, T. valenzuelana, T. balbisiana, T. fasciculata (normale Form), T. utriculata, T. setacea, Oncidium luridum, Polypodium phyllitides und P. heterophyllum. Diese Waldgemeinschaft existiert sowohl an Hängen, die vom Tal ausgehen, als auch solchen, die sich in Hoyos befinden. Aber immer wieder dazwischen gibt es kleine und große Bereiche mit blanken Felsen, mit der oben beschriebenen Felsvegetation.

 

Etwas erschwert wird ein Vergleich ähnlicher Standorte in unterschiedlichen Gebieten, selbst innerhalb der Sierra de los Organos, durch die Tatsache, daß es vikariierender Arten unter den Lokalendemiten gibt. In Borhidi (1991, 1996) werden einige Beispiele dazu aufgezählt. Im Bereich von Viñales haben Leptocereus assurgens (Wr.) Britt. & Rose, Psidium vicentinumUrb. und Pilea hemisphaericaUrb. & Ekm. ihr kleinräumiges Areal. Nur im Gebiet von Sumidero kommen Leptocereus prostratusBritt. & Rose und Pilea sumideroensis vor. Der Cerro de Guane ist der einzige Fundort von Leptocereus ekmanii. Insgesamt sind für das Gebiet von Viñales 17 Lokalendemiten nachgewiesen. Zusätzlich zu den gerade genannten drei Arten werden aufgelistet: Pilea affinisMorton, P. simplex, Salmea glaberrima, S. umbratilis, S. caleoides, Rhytidophyllum rupincola, Clusia brittoniiAlain und Acalypha mogotensisUrb.. Für das Gebiet von Sumidero sind 10 Lokalendemiten nachgewiesen und für den Cerro de Guane nur 5.