3.3.3. Vegetationstransekt durch die Provinz Pinar del Rio

Vor ca. 6000 Jahren, als die Ureinwohner einwanderten, bedeckte Urwald 95% der Landfläche Kubas. Die Jäger und Sammler beeinträchtigten die Vegetation nur wenig. Auch in den ersten Jahrhunderten nach der Entdeckung durch Kolumbus vernichteten die ersten Siedler den Wald nicht. 1812 sollen noch 90% des Territoriums Primärwald gewesen sein. Doch um 1900 war der Urwald durch den Zuckerrohranbau auf 54% Flächenanteil reduziert. Besonders in Westkuba vernichtete man alle Waldflächen in den Ebenen. 1923 waren nur mehr 23% der Fläche bewaldet. Heute sind nur 17,6% Kubas mit Wald bedeckt. 14% der Waldökosysteme sollen ungestörte Primärvegetation sein. (Capote-LópezBerazain-IturraldeLeiva-Sanchez, 1989) 
Beim Durchsuchen von Belegen bisheriger floristischer Aufsammlungen gewinnt man den Eindruck, daß einige Gebiete oft besammelt wurden und andere kaum. Relativ genaue pflanzensoziologische Vegetationsaufnahmen existieren wohl nur in der Anzahl, die in Borhidis Werk wiedergegebenen sind. Ergebnis der bisherigen Sammeltätigkeit sind etwa 200000 Belege, dies entspricht 1,8 Belege / km². Alleine im Rahmen des „Flora de Cuba“-Projektes wurden zwischen 1966 und 1988 von BISSE, seinen Schülern und anderen Wissenschaftlern der DDR und UdSSR über 60000 Belege in ganz Kuba gesammelt. 

Abbildung 18 aus Capote-Lopez et al. (1989): Karte der Fundortangaben von Herbarbelegen.

Bei dieser wie bei anderen Herbarsammlungen ist die äußerst ungenaue Nennung von Fundorten ein Problem, das Aussagen über Vegetationsformationen unmöglich macht. Für Aufsammlungen aus dem Gebiet von Viñales ist aus den Fundortangaben meist nicht zu entnehmen, ob der Standort auf einem Mogoten, schon gar nicht auf welchem, oder aber in einem Talbereich war. Manchmal tauchen sogar acidophile Arten mit der Etikettierung Viñales auf. 


 

Auf Grund der sehr unterschiedlichen phytogeographischen, edaphischen und klimatischen Verhältnisse gibt es auf Kuba eine Vielzahl unterschiedlicher Vegetationsformationen. Der östliche Teil der Insel beherbergt, bedingt durch die großen Reliefunterschiede, die größte Vielfalt an Gehölzformationen. Hier existieren Tieflandregenwald, Bergregenwald, Nebelwald, aber auch Dornbusch-Trockenvegetation.


 

Über ganz Kuba verteilt gibt es spezielle, an den geologischen Untergrund angepaßte Vegetationsformationen. Der edaphisch extreme Standort der Serpentingebiete erfordert hochspezialisierte Arten und ließ viele Endemiten entstehen. Auch in den Karstgebieten, mit ihrer geomorphologisch bedingten Trockenheit, findet man viele Endemiten. 


 

Von Muñiz und Borhidi wurde 1970 eine Karte der potentiellen natürlichen Vegetation erstellt. Grundlage für diese Rekonstruktion sind Klimadaten und kleine Restbestände der Naturwälder. Besonders in den Ebenen wurde die natürliche Vegetation vernichtet. Dies war in der Provinz Pinar del Rio besonders früh der Fall.


 

Es wird ein Transsekt von Süd nach Nord durch die Provinz Pinar del Rio wiedergegeben. Die flachen Küstenbereiche säumen breite Mangrove-Wälder mit der bekannten deutlichen Zonierung der Mangrovenarten. Sie ist abhängig vom Abstand zum Meer, der dadurch bedingten Häufigkeit der Überflutung und dem davon verursachten unterschiedlich hohen Salzgehalt im Boden.


 

Daran schließt ein 10 bis 25 km breiter Bereich mit sog. Pinus tropicalis-Waldland auf Weißsand an. In Zentralamerika gedeihen die Kiefernwälder meistens in Gebirgsregionen. Hier wächst eine der vier kubanischen Pinus-Arten in der Ebene auf weißem Quarz-Sandboden. P. tropicalisMorelet ist auf dem nährstoffarmen Boden vergesellschaftet mit den beiden Palmen Colpothrinax wrightiiGriseb. & Wendl. und Acoelorraphe wrightiiWendl.. Der ursprünglich lockere Waldbestand wurde durch Beweidung degradiert. Heute bedecken die weiten Flächen offene Vegetationsformen wie Kiefern-Palmen-Grassland oder Palm-Savanne mit nur 30% Deckungsgrad an baumförmigen Pflanzen. 

Fehlt in Homepage ist nur in gedrucktet Version enthalten.

Abbildung 19 aus Borhidi & Muñiz (1970): Vegetationskarte, Ausschnitt.

Ungefähre Lage des Transektes eingezeichnet.

Nur in Homepage als Ersatz für Abb. 19:

Vegetationskarte von Westkuba


Abbildung 20 Fuchs, verändert nach Borhidi (1991): Vegetationstransekt 

durch Pinar del Rio bei ungefähr [83°44’].



 

Ab dem sich anschließenden Hügelland, deren geologischer Untergrund die Cayetano-Formation mit seinen Schiefern und Sandsteinen ist, gibt Lötschert (1956, 1958) die beste Beschreibung der Vegetation. Diese hügelige Landschaft wird als Pizarras oder Lomas bezeichnet. Auf diesen Gesteinen bildete sich ein saurer und nährstoffarmer Boden. Pinus tropicalis und eine weitere Kiefernart, P. caribaeaMorelet sind hier die dominanten Pflanzen (Pinetalia tropicalis-caribaeae Samek & Borhidi). Die Vegetationsbeschreibung Lötscherts hebt besonders die Strauchschicht aus Melastomataceen hervor: Pachyanthus poiretiiGriseb., Micania prasina (Sw.) Dc., M. deliculata A.Rich., M. ibaguensis (Bonpl.)Tr., Conostegia xalapensis (Bonpl.) D.Don., Clidemia neclecta D.Don., C. strigillosa (Sw.) Dc., C. hirta D.Don.. Die Ericaceen Befaria cubensisGriseb. und Lyonia myrtilloidesGriseb. bekunden den sauren Boden mit pH 5,0 bis 5,5. Außerdem werden Rondeletia correifoliaGriseb., Cassytha americanaNees, Tabebuia lepidophylla (A.Rich.) Greenm., Polygala uncinataWright, P. leptocaulisT. & G. und die beiden Palmen Coccothrinax miraguana (H.B.K.) Becc. und Copernica paucifloraBurret erwähnt.


 

Sind örtlich die Böden etwas nährstoffreicher und feuchter stockt ein Kiefern-Eichen-Mischwald, mit Quercus oleoides ssp. sagraeana (C.H.Muell.) Bhidi. (Querco sagraenae Pinetum caribaeae Borhidi & Capote). Auch der Kiefern-Eichen-Mischwald hat einen artenreichen Unterwuchs vor allem mit Melastomataceen und Ericaceen. Diese Kiefernwälder und Mischwälder wurden teilweise gerodet. Viele Hügel sind heute unbewaldet, einige Gebiete wurden mit verschiedenen Pinus-Arten aufgeforstet. 


 

In, zwischen dem Hügelland liegenden, Ebenen stockte früher ein Eichenwald, der in der Vegetationskarte als halbimmergrüner Wald verzeichnet ist. Neben der immergrünen Eiche werden von Borhidi et al. hier Clusia-, Eugenia-, Pithecellobium-, Tillandsia- und Miconia-Arten aufgelistet. Aus der Liste von LÖTSCHERT sind folgende Arten erwähnenswert: Hypericum styphelioides A.RICH, Chiococca alba (L.) Hitchc., Citharexylum olivifolia L., Rondeletia correifoliaGriseb., Casearia guianensis (Aubl.) Urban, Smilax havanensisJacq..


 

An den Fließgewässern befindet sich ein schmaler Streifen artenreichen Galeriewaldes. Es handelt sich um eine Sekundärvegetation mit Jambosa vulgarisDc., als dominante Art. Daneben gibt es Cecropia peltata L., Didymopanax morototonii (Aubl.) Dec. & Pl., Roystonea regia (H.B.K.) O.F.Cook, Bambusa vulgarisSchrad.&Wendl., epiphylle Moose und Flechten.


 

In den Karsttälern war immergrüner Tiefland-Saisonwald die ursprüngliche Vegetation. Sie ist in Kuba fast vollständig vernichtet, doch die Zusammensetzung wurde von Borhidi et al. rekonstruiert. Der Wald bestand aus zwei Stockwerken. Typische Arten des höheren Stockwerkes (20 bis 25m) sind: Roystonea regia, Cecropia peltata, Cordia gerascanthus, Pithecellobium-Arten und Ficus-Arten. Für das untere Stockwerk (8 bis 15m) werden Oxandra lanceolata und Ateramnus lucidus angegeben. Diese Wälder waren wohl reich an Epiphyten (Tillansien-Arten) und Lianen (z.B. Philodendron lacererum und Pithecoctenium echinatum). In der Sierra de los Organos befinden sich auf dem potentiellen Areal dieser Vegetation seit über hundert Jahren die fruchtbaren Felder. Der größte Teil der Fläche dient zwischen November und April der Gewinnung von Tabak. Hier produziert man die Deckblätter der Zigarren. Die übrige Fläche und als Fruchtfolge nach dem Einpflügen der abgeernteten Tabakpflanzen bestellt man mit Mais [Zea mays L.], Yuca (kubanische Bezeichnung für Maniok) [Manihot esculenta Crantz], Malanga [Xanthosoma sagittifolium (L.) Schott] (wurde schon vor den Spaniern von den Ureinwohnern genutzt) und Süßkartoffel [Ipomoea batatas (L.) Lam.].


 

Wenn in der Landschaft Gesteine der Jagua-Formation vorliegen, sind steile Hänge ausgebildet, die nur wenig verkarstet sind. Das anstehende Gestein ist unreiner Kalk mit einem hohen Prozentsatz an schwerlöslichen Bestandteilen. Obwohl es sich auch um Kalkgestein handelt, konnte sich aus den nicht gelösten Bestandteilen und Pflanzenresten ein humoser Boden bilden. Auf den steilen Hängen der Jagua-Formation wächst ein dichter mesophytischer halbimmer-grüner Wald. Es gibt wenig Unterwuchs, viele Lianen und wenig Epiphyten. Über das geschlossenen Laubdach der 10 bis 20 m hohen Bäume erheben sich einzelne bis 30 m hohe Bäume von Ficus-Arten, Cecropia peltata, Roystonea regia, Ceiba pentandra (L.) Gaertn.. Aber Charakterpflanzen der Mogoten kommen hier in der Regel nicht vor. Deshalb wurden Bereiche der Jagua-Formation aus der Untersuchung ausgeklammert, obwohl diese Hänge im Viñales-Tal meist die Südflanken der Kalksierren bilden. Eine solche strikte Abgrenzung erfolgte offensichtlich bei den meisten Aufsammlungen (Bisse et al., Borhidi et al.) nicht. Am ersten Tag der Feldbeobachtungen wurden einige Pflanzen in diesem Waldtyp gesammelt, da sich kein Einstieg in der Sierra la Guasasa in die darüberliegenden senkrechten Wände der Viñales-Formation finden ließ. Folgende Arten wurden hier vorgefunden: Passiflora suberosa, Pharus glaber, Capraria biflora, Pithecocthenium echinatum, Asparagus spec., Vanilla spec.. In diesem Waldtyp leben viele Arten, die ursprünglich auch das Viñales-Tal besiedelten. 


 

Zwischen dem mesophytischen Wald und der senkrechten Mogotenwand befindet sich eine Schuttzone aus herabgestürztem Material der Viñales-Formation. Hier gibt es einen mindestens 100 m² bedeckenden Reinbestand von, im Schuttmaterial wurzelnden, Hohenbergia penduliflora. Der Weg führte mitten durch die stachelbewehrten, bis hüfthohen Blätter dieser Trichterbromelie. Am Fuß der senkrechten Wände wuchsen im Schuttmaterial, eines extrem sonnigen und heißen Standortes, die für Kuba endemische Mamillaria prolifera (Mill.) Haw. und eine Opuntia-Art.


 

Es kommt auch kleinflächig Serpentin vor mit der typischen Serpentinflora. Dies sind zum größten Teil Arten, die für Kuba endemisch sind. BORHIDI widmet dem Thema ein eigenes Kapitel. Diese artenreiche, hauptsächlich xerophytische Vegetation kann im Rahmen dieser Arbeit nicht näher behandelt werden. Ein solcher Standort konnte, auf Grund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, nicht besichtigt werden.


 

Nach Norden folgt wieder ein Bereich mit Pizarras und Palm-Savanne. Danach bildet ein breiter Mangrovesaum den Übergang zum Meer mit vorgelagerten kleinen Inseln „Cayos“. Die größeren Cayos besitzen neben Mangrove eine spezielle Dünen- und/oder Felsvegetation.


 

Lange Abschnitte der kubanischen Küste sind schroffe Felsen aus Kalkstein. Verwitterung führt hier zu scharfkantigen, sog. Hundezahn-Felsen. Darauf stockt eine Vegetation, die im westlichen und zentralen Kuba hauptsächlich die gleichen Arten enthält wie die Mogotenvegetation. Im Bereich des angegebenen Transektes begrenzt keine Felsküste die Hauptinsel. Aber auf den Cayos findet sich eine solche Vegetationsformation.



Abbildung 21 aus Lehmann et al. 1956: Die geologischen Unterlage des Untersuchungsgebietes


Abbildung 22 aus Lehmann et al. 1956: Die Geomorphologie des Untersuchungsgebietes

Abbildung 21 aus Lehmann et al. 1956: Die Vegetation des Untersuchungsgebietes